Nachdem ich kurzfristig wegen akuter Depression einrücken musste, hatte ich gerade ein Erlebnis, das ich unbedingt mit euch teilen muss. Wenn ich es nicht erlebt hätte, würde ich es für eine Geschichte von Torsten Sträter halten.
Meine Stationsärztin hatte mich gebeten, mich nochmals in der neurochirurgischen Ambulanz vorzustellen.
Ich (entsetzt): "Vor dem Frühstück?"
Sie (lachend):" Neinnein, nachher reicht auch, da ist es da eh etwas entspannter, wenn nicht mehr so viele Schlange stehen".
Ich esse also zuerst, wohl vorhersehend, dass für das, was folgt, eine Grundlage nicht schaden würde.
Nach dem (gewohnt leckeren) Frühstück schlendere ich also zur neurochirurgischen Ambulanz hinunter und warte dort hinter einer Dame, die hinter einem roten Schild wartet, welches in dieser kleinen Geschichte noch eine nicht unwichtige Rolle spielen wird. Darauf steht geschrieben: bitte warten sie hier, bis sie aufgerufen werden.. Ich bin zwar des Lesens durchaus mächtig, aber habe das Schild in einem Anflug von Leichtsinn für das übliche Diskretions-Schild gehalten, was bedeutet hätte, das ich vortreten darf, wenn ich an der Reihe bin. Die freundliche junge Dame hinter dem Empfangstresen - ich nenne sie hier einfach "Z" (eine Assoziation mit dem Höllenhund Zerberus drängt sich auf - muss aber nicht) weist mich jedoch diskret auf mein Fehlverhalten hin:
Z: "Würden Sie bitte freundlicherweise hinter dem Schild warten?"
Ich: (warte ca. 30 Sekunden freundlich hinter dem Schild)..
Z (mit honigsüsser Stimme): "Der nächste bitte".
Da ich in näheren Umkreis niemand sehe, gehe ich - diesmal richtigerweise - davon aus, das meine Person gemeint ist, trete vor und sage mein Sprüchlein auf: " Grüß Gott, mein Name ist Marcus Starke, geb. 23.03.1967 (aus irgendeinem Grund wird hier alles nach Geburtsdatum sortiert), ich soll mich hier melden, ich komme von der L1c herunter"
Z( klappert hektisch auf der Tastatur): "Ich hab' Sie nicht in meiner Liste . Da müssen Sie erst zur. Neurologie..."
Ich: " Aber die haben mich doch her geschickt?"
Z: (siehe oben).
Langsam dämmert mir, dass ich so nicht weiter komme. Da werde ich etwas Schriftliches brauchen, sonst habe ich keine Chance, lebend das Hindernis "Z" zu überwinden.
Gesagt, getan. Treppe hoch ( Fahrstühle sind für Warmduscher), zurück auf "Los" - in diesem Fall L1c - und meine behandelnde Neurologin um Rat gefragt.
Sie (mitfühlend): " Soll ich mitkommen?"
Ich: " Nee, nicht nötig, ich brauche nur einen Passierschein für "Z""
Sie (entschwebt meinem Zimmer und kehrt kurze Zeit später mit einem Zettel zurück, der alle wichtigen Daten enthält.
Ich sause mit dem Zettel runter und bekomme gerade noch die Notbremsung vor DEM SCHILD hin, was mir immerhin das anerkennende Lächeln von "Z" einbringt.
Doch weit gefehlt. Sie lächelt, weil sie eine neue Idee hat: "Da Sie das erste Mal bei uns sind, hätte ich da noch ein paar Formulare für Sie". Mit vielsagendem Lächeln schiebt sie mir ein Klemmbrett mit verschiedenen Formularen rüber. Ich verkneife mir die Fragen, wer mir den Kopf rasiert hat, wenn das kein neurochirurgischen Pfleger war, und, fast noch wichtiger: Wer hat mich verflucht nochmal operiert, der Hausmeister??? Da ich das unbestimmte Gefühl habe, dass diese Fragen den Papierstapel auf dem Klemmbrett weiter erhöhen könnten, beschließe ich "Z" nicht weiter zu reizen und brav meine Formulare auszufüllen. Selbst schuld, wenn die Datenbank irgendwann mit meinen mehrfach redundanten Daten in die Knie geht! Außerdem habe ich heute schon gefrühstückt ("Z" auch?) und weiter nichts vor. Meine scheinbar schüchterne Frage, ob ich zum Ausfüllen der Formulare denn einen der Sitzplätze HINTER DEM SCHILD benutzen dürfe, wertet sie fälschlicherweise als Kapitulation und lässt mich gnädig passieren. Sie kann ja auch zu diesem Zeitpunkt nicht wissen, dass in mein Kopf gerade die Keimzelle für einen neuen Blogeintrag reift...
Thursday, March 9, 2017
Nachtrag
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